Lohngleichheit © Gewerkschaftsbund des Kanton Zürich

Lohntransparenz wagen, Diskriminierung verhindern

Es ist eine der gewaltigsten Gerechtigkeitslücken unserer Zeit und alle können betroffen sein: Wer wieviel verdient, entscheiden die Unternehmen oft willkürlich. Merkmale wie Geschlecht, Religion, Ethnie oder sexuelle Orientierung können ohne Lohntransparenz zu Diskriminierungen führen.


«Wieviel verdienst du eigentlich?» Berufstätige in der Schweiz fürchten sich vor dieser Frage. Sie mögen sie nicht stellen und sie mögen sie noch weniger beantworten. Zu gross ist ihre Angst, sie könnten auf Lohnunterschiede stossen und einen Konflikt verursachen. Sie sitzen lieber in der dunklen Höhle, um den Bären nicht sehen zu müssen, statt die Fackel zu zünden und der Gefahr ins Auge zu blicken. In Wirklichkeit schützen sie sich damit aber nicht, sondern schaden sich im schlimmsten Fall selbst – indem sie durch die fehlende Transparenz Lohndiskriminierung ermöglichen.

Mit Lohntransparenz gegen Diskriminierung

Diese Diskriminierung trifft vor allem Frauen. Weibliche Angestellte verdienen heute im Schnitt 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Nur ein Teil dieser Lohnlücke ist laut Expert_innen durch die berufliche Leistung erklärbar. Zum anderen Teil werden Frauen schlechter bezahlt, nur weil sie Frauen sind. Im Extremfall bedeutet das, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts in Armut abrutschen können.

Andere Berufstätige werden möglicherweise schlechter bezahlt, weil sie älter sind oder einer anderen Religion angehören. Oder schlicht deswegen, weil sie der vorgesetzten Person unsympathisch sind. Alles ist möglich, denn nichts ist klar. So lange über Gehälter nicht gesprochen wird, können Unternehmen unbehelligt Löhne festlegen. Sie mögen sich dabei rein an der individuellen Leistung orientieren – sicher ist das allerdings nicht.

Sicher ist dagegen: Mehr Lohngerechtigkeit könnte es durch mehr Transparenz geben. Deshalb gehen die Bemühungen zu mehr Lohntransparenz genau in die richtige Richtung. Sie könnten Unternehmen beispielsweise verpflichten, die Durchschnittsgehälter für bestimmte Beschäftigtengruppen offenzulegen. So könnte sich jede_r Mitarbeiter_in auf einfache Weise ein Bild davon machen, ob sie oder er im Vergleich gut oder schlecht bezahlt wird. In Zweifelsfällen können sie dann als ersten Schritt eine nachvollziehbare Begründung für ihren Lohn verlangen.

Gerechtigkeit nützt auch den Unternehmen

Die Offenlegungspflicht der Unternehmen ist ein wichtiges Mittel, um eine massive Gerechtigkeitslücke zu schliessen. Mehr Lohngerechtigkeit ist auch ganz in ihrem Sinne: Schliesslich geht es darum, gleich gute Leistungen auch gleich gut zu bezahlen. Aus Studien ist bekannt, dass kaum etwas so motiviert, wie das Gefühl, im Vergleich zu den Kolleg_innen gerecht bezahlt zu werden. Der Leistungsbereitschaft dürfte mehr Transparenz also ebenso zuträglich sein wie der Zufriedenheit mit der Arbeit.

Eine andere wichtige Wirkung ist zudem: Mit der Geheimniskrämerei in Lohnsachen ist endlich Schluss. Vielleicht trauen sich dann immer mehr Schweizer_innen, sich der Aufforderung «Zeig deinen Lohn!» zu stellen. Denn mehr Offenheit und Unverkrampftheit tut allen gut.

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